“Der Titel vom nächsten Kapitel”

18 01 2010

Wenn es draußen regnet und stürmt, wenn die Straßen fluten, wenn es blitzt und donnert und das Licht mal wieder zu flackern beginnt ist man in … Israel.
Der Winter hier ist doch garnicht so langweilig, wie ich dachte. Gestern wollte ich mir eigentlich schon die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und angesichts der Hitze anbaden gehen…Nunja…Heute gibt´s dann doch keine Ausgehpflicht. Drum hab ich Zeit ein bisschen zu schreiben…(Diesmal gibt´s Matze auch wieder mit Bildern..)

Ein Nachtrag…

schwer zu erkennen: Es war Bescherung!

Lennart´s 20. Geburtstag...incl. Mitternachtsturnier. Hier das Verliererfoto...

Ereignissreiche Tage liegen hinter mir. So stand das zweite Seminar an, auf dem ich wieder alle Voluntäre von meiner Organisation versammelt sehen sollte. Auf die Leute freute man sich eher weniger. Mit Vielen kann ich nicht viel anfangen, dabei dachte ich eigentlich vorher, dass Leute die sowas machen, irgendwie alle auf einer Wellenlänge sind. Nunja, nur mit wenigen unterhalte ich mich dort gerne, um es mal vornehm auszudrücken.
Das Programm lies aber viel erwarten. So sollte es um Minderheiten in Israel gehen. Und so fuhren wir einen Tag mit dem Bus durch die bergige Gegend um Haifa im Norden des Landes und “klapperten” Minderheiten ab.

Bei den Vorhaben Dörfer von Drusen, Beduinen und Tscherkassen zu besuchen , erwartete ich irgendwie sowas wie Lehmhuetten und Mittelalter. Nunja, ein wenig naiv…letzlich saßen wir in bonsigen Vorgärten und hörten Vorträge über Geschichte und Kultur der jeweiligen Gruppen, manchmal gab´s eine musikalische Einlage, es wurde Tee und Pita gereicht.


“Nichtmal W-lan” witzelten wir, angesicht´s der Armut, einen Marmorwhirlpool in einem Zimmer mit einem Mahagoni-Bett bauen zu müssen.
Viele nicht nur ich, hatten zuvor  irgendwie andere Vorstellungen. Nichtsdestotrotz war es mehr oder weniger lehrreich…vieles hat man jedoch irgendwie auch schon wieder vergessen. Ich hatte mich darauf gefreut gehabt viel zu sehen…
Um Beduinen zu sehen, die nicht in der Gesellschaft integriert sind und noch wie vor Hunderten von Jahren leben muss dann doch in den Negev fahren…ein Grund mehr.

Wirklich beindruckt hat mich an diesem Tag jedoch unser erstes Ziel. Durch die gebirgige Landschaft in der Nähe von Haifa ging´s in ein Flüchtlingsheim für ca. 30 Darfur-Flüchtlinge. … Nicht nur, dass ich nichtmal wusste, dass Israel derartige Flüchtlinge aufnimmt, zumal der Sudan Israel nicht gerade freundlich gesinnt ist, auch hatte ich noch nie Menschen in die Augen geschaut, den solch ein Leid zu teil wurde, dass  sich kein Mensch ausmalen kann. Es war etwas anderes, als wenn man ein auf ein Brot-für-die Welt-Plakat in Ostkreuz schaut, die mich zugegebender Maßen immer ein bisschen kalt lassen… Durch solche Eindrücke, bekommt man irgendwie eine differenzierte Sicht auf … Alles und man hinterfragt sich vielleicht nun  einmal mehr, über was für Nebensächlichkeiten man sich so oft eigentlich beschwert…so verließen wir das Gebäude recht benommen.

Aber es ging ja gleich weiter und es blieb nicht viel Zeit zum Nachdenken, mehr noch, es sollte sgoar ein lustiger Tag werden, der in einem Club in Haifa enden sollte…leider nur, war ich so schlau, meinem halben Monatslohn mit hinein zu nehmen…
Mitlerweile bin ich mir eigentlich erst richtig bewusst geworden, wie gut es mich hier eigentlich getroffen hat. Ich kann tun und lassen was ich will, hab unglaubliche Freiheiten, habe bisher viele tolle Menschen kennengelernt, wobei hoffentlich noch viele hinzukommen werden…und nebenbei noch eine ziemliche aufregende und verantwortungsvolle Aufgabe auf der Arbeit.
Zum ersten Mal hab ich irgendwie das Gefühl man macht was wirklich Wichtiges, wo man sich selber auch mal auf die Schulter klopfen könnte.

Auch das vergleichsweise sparsame Leben wird mir  sicherlich nicht schaden. Man lernt Kleinigkeiten, wieder mehr zu schätzen. Und irgendwie macht es auch Spaß, nicht zu wissen, was man den Tag über zu Essen bekommt…

Auch die Arbeit lässt mir viele Freiheiten. Es gibt keine wirklichen Richtlinien bzw. kein Handbuch, wie man mit den Friends umzugehen hat. Man findet seinen eigenen Stil. Nicht zu streng, aber auch nicht zu freundlich… Es kommt auf einem selbst an…. Im Gegensatz zum Anfang, wo man aus Unsicherheit vielleicht manchmal einfach zu nett war, ist man jetzt ziemlich selbstbewusst geworden. Auch ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich die tollsten bzw. die  Friends in meinem Haus hab, die die liebenswürdigsten Macken haben. Auch habe ich mit keinem mehr wirkliche Probleme, so dass, es ein enstpanntes, wie größtenteils aufregendes, Arbeiten ist.
Ich freu mich, dass bald Freunde kommen, denen ich die Einrichtung  mal zeigen kann. Es ist nicht wirklich einfach zu beschreiben, was wir hier machen bzw. was das mit einem macht.

Die Tatsache, dass wir hier drüben eine wichtige Aufgabe erfüllen, seh nicht nur ich so…sondern auch die Veranstalter von “Honouring Volunteers in Israel”, welcher wir letzte Woche in Jerusalem beiwohnten. Es war sehr interessant zu sehen, wieviel Menschen aus wieviel Nationen in Israel voluntieren. Wohl um die 120. Neben der verbalen Bepauchpinselung durch verschiedene wichtige Menschen von Ministerien und co., von denen ich die Namen nicht weiß, gab´s auch einiges zu sehen. Unter anderem kleine, lustige Japaner, die trommelten und fähnchen schwenkend auf der Bühne einheimische Lieder zum Besten gaben und gegen Ende noch die israelische Hymne folgen ließen, welche sich nebenbei verdächtig gleich der “Moldau” anhört.
Auch trat an diesem Tag das “Kfar Orchester” auf, die autistische Musikgruppe der Einrichtung, in der ich arbeite. Da war man schon ein bisschen stolz. Weiterhin war der Tag ein erfolgreicher, da mich das Buffett in den Genuss von Käse kommen lies. Zurück ging´s dann wiederum mit den Busladungen voller Deutschen auf die dreistündige Heimfahrt.

Im Moment gibt´s bei mir so eine kleine Aufbruchsstimmung. Meine WG Kollegen Chris und Lennart kamen neulich von ihren Trips durch das Land mit jeder Menge Bilder und Eindrücke zurück.
Umso mehr freu ich mich auf Anfang März, wenn ich bald selber Besuch vom Brüderchen bekomme und wir im Auto das Land erkunden. Es gibt viel zu Sehen…

Also gut. Das war´s erstmal wieder von mir…
Ihr seid mit eurem Schnee übrigens ein beliebtes Thema hier in den Nachrichten. Bei den Bildern haben wir hier so viel Lust auf Snowboarden bekommen, dass wir uns nächste Woche mal zum höchsten Berg hier in der Gegend aufmachen, in der Hoffnung, dass noch Schnee liegt…

Lehitraot.
Der Matze.


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6 Antworten

18 01 2010
mamali

Ich vermisse die angekündigten Bilder. Aber auch ohne diese ist der Bericht wieder sehr interessant – und persönlich. Viel spaß bei der suche nach schnee. Pass aber auf, dass du nicht ausrutschst.

19 01 2010
Daniel

Hallöle mein Gutster,

also deine Mama hats eigentlich schon sehr gut formuliert, ist glaub ich der für mich bisher beeindruckendste Eintrag in deiner Reihe von wirklich guten Texten über dein Leben dort.

Mein geplanter Ausflug zu dir wird sich zeitlich verschieben, Juni geht leider von Vereinsseite aus nicht, aber vlt könnte ich im Mai zu dir kommen und wir fliegen dann gemeinsam nach Good Old Germany, wäre nur ein Vorschlag, bräuchte erstmal deine genaue Besuchszeit ;-)

Das mit den Seminaren kommt mit irgendwie bekannt vor, man versteht sich halt nicht mit jedem, das ist in Jüdland nich anders als in Lindow (nur habt ihr keine Frau Fritsch :-D )

Also denn, auf dass deine nächsten Monate mindestens so ereignisreich werden wie die letzten, bin stolz auf dich :-)

Also bis bald und ich freue mich schon jetzt auf deine nächsten “Abenteuer”

PS: Schwarz-Gelb funktioniert momentan wirklich nur in Dortmund…

19 01 2010
Svenja

also das war echt ein toller bericht! du schreibst von mal zu mal besser! allerdings vermisse ich die bilder auch!

ich freue mich, dass du deine eindrücke bald teilen kannst:) ich kann mir finki und finki II. sehr gut zusammen auf tour vorstellen ;)
viel spaß dabei!!

ich hoffe für dich auf schnee ;) rodeln macht riiiiiesen spaß ;)

pass auf dich auf großa ;)

25 01 2010
mamali

na wenigstens drei bilder! hältst uns ganz schön an der kurzen leine, willst wohl die spannung erhöhen; sieht recht warm aus bei euch, bei uns heute nach -15; das verliererfoto schaut aber gar nciht so traurig aus, wohl weil dortmund schon wieder gewonnen hat? dafür die handballer heute wieder verloren, schade

1 02 2010
JohnnyPark

Hey kleiner Bruder,

biste schon bereit fuer drei Chaoten aus Detuschland. Bin zwar grad im Urlaub freu mich aber schon wieder auf den naechsten :) Fahren jetzt gleich nochmal mitm crazy Roller ins Tour Nightlife of Thailand… schoen Chang Cerveza geniessen ;)

stay tuned for more rocknroll

der Dicke

1 02 2010
dermatzefatze

Hey Arsch,
Was machst du denn in Thailand…und wieso weiß ich davon nichts…Hab gestern was im Weltspiegel über Thailand gesehen….war nicht so witizg :D
Aber hab Spaß…Ich werd langsam mal anfangen, für euch Vollpfosten eine Route auszuarbeiten. Bzw der Lennart macht das…
…Eine Woche ist ja nicht lang…ein straffes Programm liegt eventuell vor euch …

What happened to my…

Grüße aus Tel-Aviv nach … Thailand.

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