“Weil die Zeit sich so beeilt”

4 05 2010

Shabat Shalom,

Es schleift ein bisschen mit dem Blog. Irgendwie wird man in diesem Land noch fauler und träger als man sowieso schon war. Dinge werden noch lieber verschoben. Kann man ja auch alles morgen machen. Oder auch garnicht…
Gestern war glaube auch der erste Arbeitstag seit langem. Endete leider damit, dass ich mich im Krankenhaus wiederfand. Auf Emphelung meiner Arbeitskollegin, hab ich mal vom Baum im Garten genascht gehabt, an denen irgendwelche raupenähnlichen, mir nicht so vertrauten Früchte hingen.  Fand mein Körper tendenziell nicht lustig und reagierte bissel allergisch. Anscheind sah ich dann so scheisse aus, dass paar Minuten später auch schon ein Taxi zum Krankenhaus bereit stand. Etwas wiederwillig machte ich den Spaß dann auch mit.

Die Fahrt zum Krankenhaus war aber sehr heiter. Plauderte ich doch ganz nett mit dem Fahrer. Thema war JomHashoa, der neulich stattgefundene Holocaust Gedenktag. An diesem Tag tuteten hier 11 Uhr Morgens die Sirenen. Wie man mir berichtete nachdem ich mich an diesem Tag aus dem Bett erhob, stand der ganze Verkehr plötzlich still, Leute stiegen für ein paar Minuten  aus den Bussen aus  und hielten inne. Am Abend zuvor, gab es nur “eingeschränktes” Fernsehen. Soll heißen, größtenteils “Deutschsprachige” Filme…Kannte ich aber alle schon.
Entschlossen, dass ich kein taxifahrer werden will, ging ich dann zur Emergency. Sah alles ein bisschen aus wie bei “Scrubs”, bloß nicht so lustig. Wollte auch schnell wieder weg. Im Umkreis von 20m war ich der einzige, der aufrecht gehen konnte. Den Gefallen taten sie mir auch gerne. War mein Anliegen dann doch zu nichtig. Auf Betriebskosten ging es dann mit dem Taxi nach Hause. Ein wiedermal harter Arbeitstag.

Es hat sich irgendwie eine Aufbruchstimmung eingeschlichen. Was vor allem, daran liegt, dass die unsere Mädels aus der WG bald verabschieden werden. Kann mir noch garnicht vorstellen, wie es wird Morgens um 11 nicht wiederwillig geweckt zu werden.
Nunja, verreist man jetzt nochmal ein bisschen zusammen. So geschehen die letzten Tage. Ziel war ein weiteres mal die agyptische Halbinsel Sinai. Diesmal ging es weiter südlich. Auch waren wir ein bisschen mehr als sonst. Zu Acht machen wir uns auf im Richtung (noch mehr) Sonne.


Da es eine Terrorwarnung gab, war diesmal auch irgendwie bisschen weniger los, was das Reisen doch ein bisschen komfortabler machte. Anscheinend auch für unsern Taxifahrer, der nach 5 min Fahrt anhielt, um mit den Grenzpolizisten zu frühstücken. Die Taxifahrer sind eh eine Klassse für sich in dieser Gegend. Durch so eine Art Vetternwirtschaft wird  jede Strecke entlang der Küste unter den Fahrern aufgeteilt. Es gibt praktisch keine Konkurrenz unter den Taxifahrern. Garnicht so blöd..
Auf dem Weg zu unserm ersten Ziel ging es wieder ´ne ganze Weile am Roten Meer entlang. Die Küste ist überseht mit haufenweise HotelRuinen – nicht schön und nicht selten.


Den ersten Tag verbrachten wir im selben Strandcamp, wie beim ersten Sinai-Besuch. Kann man auch kurz mit Sonne und Bier zusammenfasssen.



Uns hielt es dort aber nicht lange, wollte wir ja noch ein bisschen was erleben. Ziel war unter anderem der Gipfel des Mount Sinai. Hier hat Moses irgendwas gemacht. Eigentlich kein Grund, da Nachts hochzustiefeln, um sich den Sonnenaufgang anzugucken. Aber weil ich ja son romantischer Typ bin, war ich natürlich doch dabei. Am Fuße von diesem Berg angekommen musste man sich erstmal einen Guide suchen, ohne einen solchen darf man dort anscheinend nicht hoch. Unser war ein echter Glücksgriff. So hatte er nichtmal eine Taschenlampe. War wohl einer der erfahrenen Guides dort, der jeden Stein und jeden Abgrund, wo man sich irgendwas brechen konnte, kannte. …Aber es gab mehrere Irrtümer. Ich dachte nach etwa einer Stunde, dass wir es gleich geschafft hätten, bis ich dann im Mondlicht den Gipfel sehen konnte.


Im LonelyPlanet stand was von 3h. Nach 4 1/2 waren wir wohl oben. Mein Waden fühlten sich an wie Mitte einer 2. Halbzeit, wenn die Krämpfe kommen und ich eine andere Verletzung vortäuschen muss, um halbwegs ehrenvoll ausgewechselt werden zu können. Aber gelohnt hat sich es natürlich…guck.







Nach dem Abstieg fuhren wir weiter nach Dahab, eine Backpackerhochburg, weiter im Süden, wo wir die restlichen paar Tage verbringen sollten.

Ein Geburtstag wurde noch gefeiert und vielerlei Aktivitäten nachgegangen. Schnorcheln, Quadfahren, Championes League gucken, günstig essen und Bier.



Abseits der Tourimeile am Strand sah Dahab ungefähr so aus.

Neben dieser Mischung aus Ruinen, Müll und Ziegen gesellten sich auch noch andere biarre Anblicke. Inmitten dieser Straßen bewegten sich LKW´s. Aufschrift: “Exportvereinigung Apfel: Obst und Gemüse aus der Steiermark”. Das machte den Anblick dieser unwirklichen Städtchen noch perfekt.

Alles in allem, mal wieder ein gelungener Trip. Man mags kaum glauben aber zur Zeit muss ich doch tatsächlich mal wieder arbeiten, sogar fünf mal die Woche. Nun, nächste Woche komm ich mal wieder nach Berlin – Ärsche versohlen. Und eine Hochzeit gibts ja auch noch zu feiern.

Der nächste Trip ist auch schon geplant. So geht´s Anfang Juni (haben wir wirklich  schon Juni?!) für ein paar Tage nach Jordanien. Spätestens dann dürfte ich mein “Jahresurlaub” nahezu aufgebraucht haben…Aber für ein paar Tage Ägypten gegen Ende meiner Zeit hier wird es noch reichen. Hier sieht man das ja auch nicht so eng, hoff ich. Wenn ich schon mal hier in der Gegend bin, muss man ja auch mal ein bisschen die Pyramiden gucken.

Also. In diesem Sinne.
Lasst es euch gut gehen, ich machs auch.

Bis nächste Woche.
der schreibfaule Matze.


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6 Antworten

4 05 2010
Sigrid Hauser-Berndt

Na endlich, Matze, habe schon sehnlichst auf den Bericht gewartet, da mein Sohn mit dem Berichten recht zurückhaltend ist. Wieder ein Spass zu lesen, wie du die Exotik und bizarren Zustände im Orient schilderst.
Lennarts Mama

5 05 2010
Birk

einfach wieder mal ein fest was von dir zu lesen :)
you just made my day :D

5 05 2010
dermatzefatze

jetzt uebertreiben Sie mal nicht .. ;) :D

5 05 2010
mamali

Na endlich, war ja schon langweilig!
Aber ich muss dich in Schutz nehmen – bei den wichtigen Dingen bist du ja nicht wirklich faul. Aber Lennarts Mama kann ich verstehen, wäre schon schade, deine Berichte nicht zu lesen. So kannst du uns die Zeit bis zur Rückkehr lustvoll verkürzen. Schön
P.S Wessen Ärsche willst du denn versohlen?

11 06 2010
mamali

wir warten schon wieder

19 06 2010
svenja

ja, streiken lohnt iwie gar nicht. hier ist auch so nichts los. ob ich nun schreibe oder nicht …
sag bloß du erlebst nichts mehr?

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